Meeting Orientamento Venezia

Venedig 2007

Es war also wieder soweit: nach zwei Jahren Pause nahm ich wiedermal am berühmten Orientierungslauf in Venedig teil, insgesamt meine achte Teilnahme soweit ich mich erinnern kann. Einen Sieg konnte ich ja bereits heimtragen, und zwar 1999 in der Kategorie Herren 17-18. Heuer ging ich in der Herren B an den Start, vergleichbar mit unserer Herren 21- Kurz. Nun zum Lauf:

Posten 1: Ich wollte den ersten Posten wie gewohnt sicher und ruhig angehen. Über die Brücke und rechts rein. Wow, da ist schon die erste Gasse, ok, dann halt die nächste, oh, auch schon vorbei, in letzter Sekunde kratze ich noch die Kurve und biege ein, fast zu Beginn schon ein skandalöser Fehler. Tja, 1:7.500 lässt grüßen. Dann ging’s erstmal gut dahin, bis ich nach der zweiten Brücke links einbiegen will, eine alte Italienerin genau in diesem Moment irgendwas von “No, no, no!” schreit und ich rechts abbiege. “Was mache ich da?”, mein Gedanke, und drehe sofort um. Gut, vielleicht 5 Sekunden weg, halb so schlimm.

Posten 2: Ich entscheide mich für die linke Route, wie sicher später herausstellt, die schlechtere Wahl, allerdings nicht gravierend. Während dem Lauf fällt mir dies aber nicht auf und ich habe mittlerweile gut in die Karte gefunden.

Posten 3: Ordentlich lange Blattlerei, der Posten relativ einfach. Die Konzentration muss aber trotzdem vorhanden sein.

Posten 4: Eine kleine Routenwahl, ich wähle die äußere, wäre aber meiner Meinung nach egal gewesen, Hauptsache Tempo hoch halten.

Posten 5: Wieder: links oder rechts? Und wieder: egal! Ich schätze solche Routenwahlen sind auch ein wenig Glückssache, je nachdem, wie viele Touristen auf der gewählten Route gerade unterwegs sind.

Posten 6: Wie gesagt: Touristen… davon gibt es auf der Rialto Brücke und dem anschließenden Markt genügend. Vom Posten weg erwische eine falsche Gasse und laufe ein kleines Eck, dann geht’s über die Brücke, wo eigentlich gar nicht soviel los ist. Am Markt danach allerdings heißt es ein paar Mal hinten anstellen beim Überholen. Laufen: Fehlanzeige. Nach etwa 150m geht’s dann wieder rasant weiter, der Posten selbst kein Problem.

Posten 7: Der meiner Meinung nach technisch anspruchvollste Posten, denn es gibt keine langen Geraden und viele Parallelsituationen. Hier komme ich auch das erste und einzige Mal komplett aus der Karte. Allerdings blieb ich sofort stehen, fuhr mit dem Finger die gelaufene Strecke nach bis ich genau wusste, wo ich war und nahm wieder Tempo auf. Also kein Fehler, aber ca. 10 Sekunden Zeitverlust wegen einer größeren Unsicherheit.

Posten 8: Wiedermal ein Posten mit längeren Geraden und größeren Plätzen, die machen das Orientieren nämlich eindeutig einfacher.

Posten 9: Fast gleich wie Posten 8, drei große Plätze und eine lange breite Gerade. Einzige Gefahrenzone: die richtige Gasse zum Posten erwischen.

Posten 10: Jetzt hieß es wieder zurück über den Canale Grande, und zwar über die Academia Brücke. Der Weg dorthin war recht einfach, hier gab es nicht viel Möglichkeiten. Interessant war die Academia hinunterzulaufen bzw. zu -springen. Ich flog förmlich hinab, bis eine ältere Italienerein einen panischen Angstschrei losließ und auch meine Augen groß wurden. Im letzten Moment konnte ich noch ausweichen, sonst hätte es wahrscheinlich einen Schwerverletzten gegeben (und zwar weil mich ihr Ehemann verprügelt hätte). Nach der Brücke hieß es Vollgas: eine lange Gerade über große Plätze, auch der Posten war nicht in verwinkelten Gassen versteckt.

Posten 11: Ich wählte die rechte Route, kein Problem.

Posten 12: Orientierungstechnisch zu Beginn eher einfach, die einzige Schwierigkeit bestand hier im Passieren der Hauptstraße zwischen Marcusplatz und Rialto Brücke, denn diese war wie gewohnt völlig überfüllt. Hier hieß es also wie am Markt nach der Rialto Brücke zwischen Posten fünf und sechs: hinten anstellen! Dadurch durfte aber der Kartenkontakt und vor allem die Konzentration nicht verloren gehen, denn der Postenraum war gefinkelt. Und prompt erwische ich kurz vorm Posten auf einem kleinen Platz die falsche Abzweigung, merke dies aber sofort und korrigiere. Vielleicht 10 Sekunden dahin.

Posten 13: Wieder viel Leute ausweichen und dabei Kartenlesen, gar nicht so einfach. Auf dem großen Platz geht’s dann wieder dahin und der Posten ist auch nicht versteckt, null problemo!

Posten 14: Wieder zurück auf die Hauptstraße und diese weiter, auch nicht schwierig.

Posten 15: Ich überlege kurz, ob ich südlich auf die Promande laufen soll, allerdings sind dort auch immer massig Touristen, deshalb bleibe ich auf der direkten Route. Hier sind fast keine Leute, somit geht ordentlich was weiter.

Posten 16: Aber jetzt: raus auf die Promenade. Und tatsächlich: tausende Leute. Über die erste Brücke geht’s noch irgendwie, bei der zweiten muss ich schon unterm Geländer durch auf den Steg ausweichen, die dritte wieder halb leer. Posten stempeln und ab ins Ziel.

Jup, für den Sieg hat’s dann gereicht, Flo hat einige gröbere Fehler eingebaut und so konnte ich meinen zweiten Venedigsieg mit 3′35″ Vorsprung einheimsen. Viel schneller wär’s für mich fast nicht gegangen, ohne den kleineren Fehlern und Unsicherheiten bei Posten 1, 2, 6, 7 und 12 maximal eine Minute.

Karte
Ergebnisse

Zwischenzeiten

Und hier noch ein paar Fotos vom Lauf und der Sightseeing-Tour am Tag davor:

Meeting Orientamento Venezia 2007

Meeting Orientamento Venezia 2007

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