
Hol den Posten! Wo is der Posten? Na wo denn?
Letzten Samstag begab ich mich zum ersten Mal in meinem Leben nach Osttirol zur ersten Staatsmeisterschaft im Orientierungslauf in Osttirol am Tristacher See bei Lienz.
Für mich war es keine Staatsmeisterschaft, denn ich lief in der Kategorie Herren 21- Kurz. Nachdem die Strecken immer länger werden hab ich mich dazu entschlossen, eine Kategorie abzusteigen. Und siehe da: beim letzten Austria Cup hat selbst die Kurz über acht Kilometer. Doch nun zum Lauf:
“Die 3,7 Kilometer und 270 Höhenmeter sollten doch in der vorgegebenen Zeit von 25 Minuten zu schaffen sein”, spaßen wir vorher. Vielleicht war es das ja, aber nicht für einen Läufer aus unserer Liga.
Posten 1 (35hm): Kein Problem. Ich wähle die Umlaufroute am Weg und kämpfe mich am Ende die paar Höhenmeter hinauf. Der Posten steht genau wo ich ihn erwarte.
Posten 2 (0hm): Ich schieße den Hang hinunter, doch nach dem Weg werde ich etwas unsicher und bleib stehen. Ich sehe links das Dickicht und ober mir einen Posten bei einem Felsen. Kurze Kontrolle, sollte passen - und da ist auch schon.
Posten 3 (10hm): Schneller kurzer Posten, kein Problem. Bis jetzt läufts super, die 25 Minuten gehen sich aus!
Posten 4 (0hm): Ich folge der Spur durchs Dickicht und komme daher etwas zu weit links am Weg heraus. Statt ein Stück am Weg zu laufen, schmeiße ich mich gleich ins Grün und verliere dadurch ein paar Sekunden.
Posten 5 (35hm): Die Richtung passt, ich komme auf den kleinen Weg, der mich zum größeren führt. Doch dann lauf ich in meiner Panik gleich auf die erste Terasse, verharre dort ein paar Sekunden und erkenne im Süden die richtige Terasse, wieder gute 20 Sekunden.
Posten 6 (0hm): Ich vertraue drauf, dass es nach den zwei kleinen Fehlern jetzt besser wird und wähle die direkte Route und nicht die am Weg links. Und es funktioniert tatsächlich.
Posten 7 (10hm): Volle Kanne am Weg glühen. Vielleicht gehen sich die 25 Minuten noch aus!
Posten 8 (0hm): Einfach den Heinzelmännchen hinterher. Beim Stempeln muss ich mich sogar anstellen…
Posten 9 (25hm): Eigentlich nur hanglaufen und ein wenig steigen. Doch die vielen Linien verwirren mich und ich steige zuviel, komm schließlich zu hoch heraus und muss ein wenig wieder hinunter.
Posten 10 (5hm): Kompass und schön vorsichtig. Leider gelingt dies nicht ganz. Ich verfehle den richtigen Felsen, lauf südlich vorbei und stehe im nirgendwo. Das Dickicht hilft mir wenigstens mich aufzufangen, doch dann lass ich mich von diversen Läufern ablenken und finde erst nach einer Ehrenrunde den Posten. Vorbei ist’s mit den 25 Minuten, aber vielleicht sind 30 noch drin?!
Posten 11 (0hm): Sicher! Ich halte mich bewusst weiter rechts im Dickicht, nach dem Dickicht einfach links hinunter zum Felsbrocken. Leider bleibt nicht viel Zeit um die monströsen Felsen zu bestaunen.
Posten 12 (55hm): Das erste Mal so richtig den Berg hinauf kämpfen. Ich schließe auf eine Gruppe von sechs bis sieben Läufer auf, die sich alle zugleich ins Dickicht zum Posten begeben. Dadurch wird die Such deutlich vereinfacht, denn 16 Augen sehen bekanntlich mehr.
Posten 13 (0hm): Wieder ein Stein von vielen, doch diesmal klappt’s besser. Ich lauf zwar etwas zu weit links, kostet aber nicht viel Zeit.
Posten 14 (0hm): Wieder ein kleiner Schwenker nach links. Ich erkenne das Dickicht vor mir und korrigiere die Richtung. Der Postenstandort ist diesmal einfacher, zwar wieder ein Stein, doch am Rand und nicht mitten in einem Steinfeld.
Posten 15 (35hm): Die längste Teilstrecke des Tages. Nach den paar Unsicherheiten und Schwenkern bei den letzten Posten werden wohl auch die 30 Minuten nicht mehr drin sein, na gut, dann halt 35 Minuten. Ohne Uhr hat man es da ja ziemlich leicht. Egal, nochmal konzentrieren. 100 Meter vorm Posten bei den großen Felsen denke ich, ich wäre bereits bei der oberen Felsformation und steige nicht weiter, daher muss ich im Posten nochmal rauf.
Posten 16 (0hm): Einfach runter. Oberhalb vom Felsen südwestlich vom Posten bleibe ich nochmal kurz stehen um zu konstrollieren und sicher zu sein.
Posten 17 (0hm): Jetzt nochmal Gas geben. Der flachere Teil ist schnell zu belaufen, der Posten ist auch sehr schnell da. Kein Problem.
Posten 18 (15hm): Zum großen Weg gibt es bereits eine schöne Spur, danach kann man sich gut an den Felsen südlich orientieren. Die letzten Höhenmeter, danke.
Posten 19 (0hm): Runter und rüber. Zuerst passt die Richtung, doch dann sehe ich einen Postenschirm und korrigiere nach rechts, so was Blödes. Aber viel hat dieser kleine Haken auch nicht mehr gekostet.
225 Höhenmeter wenn man alles genau umläuft und keine Fehler macht, die angegebenen 270 Höhenmeter sollten also gepasst haben. Gemacht hab ich schlussendlich in etwa 300 Höhenmeter, also gar nicht mal soviel mehr. Mein erster Auftritt in der Herren 21- Kurz in dieser Saison wurde mit einem Sieg belohnt +freu+
Karte
ÖM Mannschaft
Tags darauf fand im gleichen Gelände die Österreichische Mannschaftsmeisterschaft statt. Ich hatte die Ehre unseren Verein gemeinsam mit Alex und Adi in der 2er-Mannschaft zu vertreten.
Alex machte von Anfang an die Einteilung, und das sehr gut. Mein erster Einsatz war auch gleich der längste. Ich hatte fünf Posten in den extrem steilen Hängen zu holen. Die ersten vier machten keine Probleme, doch beim fünften lief ich um einiges zu weit und musste wieder zurück. Noch dazu lief ich zu weit nach unten und musste zum Posten wieder rauf. Das Stück zur Straße erwischte ich auch nicht optimal und so ließ ich dort insgesamt gleich mal fünf bis sechs Minuten liegen.
Dann hatte ich viel Zeit zum Ausruhen. Ich lief zu Posten 44 und sollte dort von Alex übernehmen. Doch am Weg dorthin verpasste ich vor lauter Fehleranalyse mit Michi Auer, mit dem ich bei Posten 114 eingebaut hatte, die Abzweigung und lief viel zu weit. Problem war es dann aber trotzdem keines vor Alex beim Posten zu sein, ich durfte mich sogar noch gute 10 Minuten ausruhen.
Danach ging’s schon wieder los. Wieder zwei Posten im steilen Hang. Zwar technisch kein Problem, aber sehr anstrengend zu laufen. Bei Posten 137 übergab ich an Adi und lief zum zweiten Sammelposten. Bis dahin war ich bereits komplett erledigt, das Hanglaufen und Bergklettern macht einem ganz schön zu schaffen.
Doch ab hier hatte ich gar nicht mehr so viel zu tun. Zuerst gemütlich bei Posten 129 vorbei und am Weg warten, wieder auf Alex. Dann wieder drei Posten und zum nächsten Sammelposten, wobei es vom letzten Posten lang bergauf ging.
Diesmal blieb aber nicht viel Zeit zum Ausruhen, denn ich musste gute 100 Höhenmeter zum nächsten Übergabepunkt zurücklegen, die ich jedoch sehr gemütlich anging als ich sah, was Alex und Adi laufen mussten.
Im Postenraum vom 132er übernahm ich wieder von Alex, stempelte den Posten und lief zu Posten 108. Kein Problem, weiter runter zum 131er. Problem! Ich gurkte gute fünf Minuten herum bis ich endlich den Posten hatte. Verflixt! Naja, ich kämpfe mich also wieder bergauf, Gott sei Dank kam mir Adi entgegen und holte sich den Chip bereits vor dem vereinbarten Übergabepunkt.
Am Ende übernahm ich nochmals kurz von Alex, holte die beiden letzten Posten und den letzten Pflichtposten. Insgesamt waren wir über zwei Stunden unterwegs, ich legte 10,5km und 710hm zurück, wobei in etwa die Hälfte davon locker war. Das war sie also, die härteste Mannschaftsmeisterschaft im Orientierungslauf aller Zeiten.
Karte